Die Ausgabe Nr. 54 Dezember 2024 als PDF-Datei
Die 18.Muschelveranstaltung fand vom 28. – 29. Juni 2025 im Europa Park Rust statt. Ein ausführlicher Bericht über die Veranstaltung ist im Jakobusblättle Nr. 56 erschienen
Die Ausgabe Nr. 53 Mai 2024 als PDF-Datei
Information über eine Übernachtungsmöglichkeit für Pilger in Freiburg:Mögliches Angebot: Für 3 ( bis max. 4) Personen Im Erdgeschoss gibt es zwei Zimmer und ein Bad (ein Zimmer mit einerSchlafcouch mit Matratze, 140×200 cm; ein Zimmer mit Einzelbett 90×200 cm). Adresse: Monika und Bernhard WarmbrunnReinhold-Schneider-Str. 55D 79117 Freiburg Tel.: Festnetz 0761/6967088 ; Handy-Nr. 01774300222Mailadresse: monika.warmbrunn@gmx.de Pilgermenü und Frühstück auf Anfrage möglich.Es entstehen keine Kosten. Zu den Schulzeiten in Bawü ist eine Übernachtung eher möglich als in den Schulferien ( einfach anfragen!).
Die Ausgabe November 2023 als PDF-Datei
Die diesjährige MUSCHEL IN EUROPA Veranstaltung findet am 24. -25.06.2023 im Europa Park Rust statt. Anmeldungen per Mail: ACHTUNG!! Auf dem gedruckten Flyer hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Die korrekte Mailadresse lautet: info@badische-jakobusgesellschaft.de
Die Ausgabe Nr. 51 April 2023 als PDF-Datei
Die Ausgabe Nr. 50 November 2022 als PDF-Datei Bitte ins Bild clicken!
Den Weg zu sich selbst gehenPilgern direkt vor der Haustüre / Kirchen mit vielfältigem Angebot.Badische Zeitung, 30.08.22, Dominik Bloedner Es ist eine karge Unterkunft. Zwei Stockbetten, ein großes Holzkreuz mit Jesusfigur an der Wand, Kachelboden, Toilette und ein Waschbecken mit kaltem Wasser, Mikrowelle und Wasserkocher in der Ecke; manchmal braucht der Mensch ja etwas Warmes. Hier, in einem ehemaligen Duschraum des Christophorus Jugendwerks in Oberrimsingen bei Breisach, legen sie nachts ihr müdes Haupt auf die Kissen, die Pilgerinnen und Pilger, die auf dem Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela in Nordwestspanien unterwegs sind. 50 bis 80 Menschen pro Jahr lassen sich den Schlüssel für die Herberge und einen Stempel in den Pilgerpass geben und entrichten vor dem Aufbruch am nächsten Morgen ihren Obolus: fünf Euro für das bescheidene Nachtlager. Oberrimsingen liegt an einer der vielen Hauptrouten des bekannten Pilgerwegs, diese orientieren sich an mittelalterlichen Handelswegen. Die Schwarzwälder Route führt von Rothenburg ob der Tauber über Esslingen, Tübingen und Rottenburg am Neckar nach Wolfach, Elzach, Freiburg und später Richtung Südwesten durch die burgundische Pforte. Dann gibt es noch unzählige Nebenrouten wie etwa den Kinzigtäler Jakobsweg, der sieben Etappen hat und auf dem sogar das Eisenkreuz Cruz de Ferro nachgebildet ist, das im Original in den Montes de León in Nordspanien den höchsten Punkt des Jakobswegs Camino Francés auf 1500 Metern Höhe markiert. Die Zugangsrouten führen zu ehemaligen Sammelpunkten wie Ettenheim, Schutterwald oder Freiburg (siehe Grafik). Denn früher war die lange Reise gefährlich, die Pilger zogen meist nur in Gruppen los.Viele Wege führen nach Santiago zum Grab des Apostels, viele lokale Initiativen kümmern sich um diese Routen, markieren sie mit der Pilgermuschel, beschreiben und bewerben sie. Die Herberge in Oberrimsingen wird gestellt von der Badischen St. Jakobusgesellschaft (siehe Interview unten), diese ist für den mittleren und südlichen Teil des Badischen Jakobswegs entlang des Rheins verantwortlich. Pilgerwege wie der Jakobsweg liegen also vor der Haustüre. Und das Endziel muss nicht immer Santiago heißen. Die beiden Bistümer und die beiden Landeskirchen in Baden-Württemberg haben ein vielfältiges Programm mit regionalen Pilgerwegen und Angeboten zum spirituellen Wandern. „Neben den Teilstrecken großer europäische Kultur- und Pilgerwege gibt es dafür eine Vielzahl regionaler Wege in Baden-Württemberg, die Pilgerinnen und Pilgern die Möglichkeit bieten, sich wieder mit Gott zu verbinden oder einfach auch nur eine wohltuende Auszeit von der Hektik des Alltags zu nehmen“, sagt Achim Wicker von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Auch Detlef Lienau, Pilgerbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden und Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung Freiburg, sagt: „Pilgern, das ist nicht nur der Jakobsweg. Auch der Martinusweg hat sich inzwischen etabliert.“ Der 2011 eröffnete Pilgerweg quert Baden-Württemberg auf dem Weg von Ungarn nach Frankreich zum Grab des Heiligen Martin von Tours. Zudem gebe es, so Lienau, viele lokale und kürzere spirituelle Spazier- und Wanderwege. Das spezielle Angebot an Frauen „Pilger. Schön“ etwa starte in Nordbaden und gehe Richtung Bodensee. Lienau selbst bietet Nachtwanderungen von Freiburg nach St. Ottilien oder auf den Lindenberg an. „Es geht den Teilnehmenden dabei um eine Auszeit vom Alltag und darum, den Horizont auf das Größte zu öffnen, was es gibt: Gott“, sagt er. Und es gehe um Naturspiritualität. Diese wird auch im Nationalpark Schwarzwald beworben. Im Angebot sind Pilgerspaziergänge, ökumenische Gottesdienste, Abendgebete auf der Hornisgrinde, dem mit 1164 Metern höchsten Berg im Nordschwarzwald. „Seit jeher entdecken Menschen, dass sie in der Natur einen besonderen Zugang zu Gott finden. Stille und Langsamkeit, Weite und Ausblick bringen uns Sinn- und Lebensfragen neu ins Bewusstsein“, heißt es in dem unlängst erschienenen Flyer zum Pilgern der Landesarbeitsgemeinschaft Kirche und Tourismus in Baden-Württemberg. Und weiter: „Wir erleben in uns verborgene Seiten des Menschseins – eine Ahnung vom Reichtum der Spiritualität.“ Auf der Tourismusmesse CMT wirbt die Arbeitsgemeinschaft mit Slogans wie „Unterwegs mit Gottes Segen“ oder „Urlaub für die Seele“; weiter fördert und begleitet sie seelsorgerische Tätigkeiten in touristischen Hotspots wie etwa dem Europa-Park in Rust. Spirituelle Reisen liegen im Trend. „Wer dem Zeichen der Jakobsmuschel im Schwarzwald folgt, findet Erholung in der Natur und kommt an Kirchen und Klöstern vorbei, die zu besinnlichen Momenten einladen“, sagt Jutta Ulrich von der Schwarzwald Tourismus GmbH in Freiburg. „Auch wenn Pilgerreisen einen kleinen Teil des Gesamtgästeaufkommens ausmachen, ist die Nachfrage nach dieser Form des Reisens in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.“
Ein riesengroßes spirituelles Bedürfnis Dominik Bloedner, Di, 30. August 2022 BZ-INTERVIEWmit Norbert Scheiwe von der Badischen St. Jakobusgesellschaft über das Pilgern, die Religion und Hape Kerkeling. Was treibt die Menschen an, die nach Santiago zum Grab des Apostels Jakobus pilgern? Dominik Bloedner sprach mit Norbert Scheiwe, Präsident der Badischen St. Jakobusgesellschaft. BZ: Herr Scheiwe, den Kirchen laufen die Gläubigen in Scharen weg, Pilgern jedoch erfreut sich steigender Beliebtheit. Scheiwe: Das ist kein Widerspruch. Die spirituellen Bedürfnisse der Menschen sind riesengroß, aber nicht mehr nur gebunden an die klassische Religion. Kirchen geben vielen Menschen nicht mehr die Antworten, die sie suchen, viele definieren ihre Religiosität heute selber. BZ: Geht es noch um Buße? Scheiwe: Der Weg nach Santiago war nie ein reiner Bußweg, er war immer auch ein Initiationsweg. Es geht darum, als anderer zurückzukommen, als der man losgezogen ist. Früher waren Beichte und Kommunion in der Kathedrale von Santiago wichtig, heute geben sich die Leute ihren Ablass selber. Da gibt es dieses neue Ritual: Die Pilger verbrennen am Kap Finisterre ihre bis dahin getragene Kleidung, um mit dem alten Leben abzuschließen. Alles verändert sich, heute ist die Frage der Buße kein zentrales Thema. Pilgern kann befreiend und lustig sein. BZ: Was treibt die Pilger heute an? Scheiwe: Religiöse Motivation ist noch vorhanden, aber nicht mehr bei der Mehrheit. Es geht um Abenteuer, Begegnungen und darum, Abstand zu gewinnen und für sich zur Ruhe zu kommen. Nicht von ungefähr gehen viele Menschen auf die Pilgerreise, die gerade Brüche und Übergänge in Leben haben: Krisen, Schule, Beruf, Rente, Trennungen. Fragt man Millionen Pilger, bekommt man Millionen verschiedene Antworten. BZ: Was macht das Pilgern mit einem? Scheiwe: Miteinander unterwegs zu sein und sich zu begegnen, die Strapazen des Weges teilen – das öffnet Herzen und Seelen und hat eine heilende Wirkung. BZ: Hat mit dem Buch des Entertainers Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“, ein Bestseller im Jahr 2006, der verfilmt wurde, der Jakobus-Boom begonnen? Scheiwe: Kerkelings Buch war nicht der Auslöser für steigende Pilgerzahlen, das waren und sind die spirituellen Bedürfnisse der Menschen. Buch und Film haben dann vielen den Impuls gegeben. BZ: Man spricht von Pilgertourismus. Scheiwe: Pilgern und Tourismus sind zwei grundverschiedene Dinge, das muss man völlig wertfrei voneinander trennen.BZ: Wie kamen Sie auf den Jakobsweg? Schweiwe: Als kleiner Ministrant in den 1960er Jahren in Lahr hatten wir einen Priester, der glühender Jakobusverehrer und Pilger war. Die tollen Geschichten und Diavorträge fesselten mich. Das war lange verschüttet und kam durch die Arbeit im Jugendwerk wieder hoch. Wir sind in Etappen mit rund 3000 Jugendlichen und Erwachsenen zweimal den Weg gelaufen. Norbert Scheiwe, 70, war von 1988 bis 2016 Leiter des von der Caritas getragenen Christophorus Jugendwerks in Oberrimsingen. Er ist Präsident der 1999 gegründeten Badischen St. Jakobusgesellschaft.